Zunächst sei gesagt, dass ich die Tugen­den ein­ge­rahmt habe, zwi­schen den Wer­ten und den  Hal­tun­gen. Da alle drei Begrif­fe in den fol­gen­den Defi­ni­tio­nen bei Wiki­pe­dia und der Wertesysteme.de vor­kom­men, möch­te ich die­se vor­an­stel­len.

Das Wort Tugend (latei­nisch vir­tus) ist abge­lei­tet von tau­gen, die ursprüng­li­che Grund­hal­tung ist die Taug­lich­keit (Tüch­tig­keit, Vor­züg­lich­keit) einer Per­son. All­ge­mein ver­steht man unter Tugend eine her­vor­ra­gen­de Eigen­schaft oder vor­bild­li­che Hal­tung. Im wei­te­sten Sin­ne kann jede Fähig­keit zu einem Han­deln, das als wert­voll betrach­tet wird als Tugend bezeich­net wer­den. [1]

Eine Tugend ist eine posi­ti­ve Eigen­schaft einer Per­son, wel­che meist von einer vor­bild­li­chen Grund­hal­tung (Gei­stes­hal­tung) her­vor­ge­bracht wird. Tugend­haf­tig­keit ist das per­sön­li­che oder sozia­le Bestre­ben einer Per­son, nach fest­ge­leg­ten Grund­wer­ten zu leben. (…) Sie wird meist durch Lob und/oder Bewun­de­rung wert­ge­schätzt. Die als Tugend bezeich­ne­te Eigen­schaf­ten (z.B. Auf­merk­sam­keit, Beharr­lich­keit, Treue) wer­den als “gewünsch­te” Wer­te begrif­fen.  Die Wer­te wer­den dann als Tugend bezeich­net, wenn sie für die All­ge­mein­heit nütz­li­che und wert­vol­le Ergeb­nis­se her­vor­bringt. [2]

Um die Begrif­fe: Wer­te, Tugen­den und Hal­tun­gen noch ein wenig zu ver­tie­fen, möch­te ich auf die Wor­te eines ev. Pfar­rers, Herrn Stef­fen Tie­mann und eines bene­dik­ti­ni­schen Mön­ches, Pater Anselm Grün zurück­grei­fen:

Wer­te ver­lei­hen uns Wert und Wür­de. Wer Wer­te in sei­nem per­sön­li­chen Leben berück­sich­tigt, des­sen Leben wird sel­ber wert­voll. Wer sich nicht mehr an Wer­ten ori­en­tiert, der ver­liert die Ach­tung vor sich selbst und vor den ande­ren. Sein Leben wird immer wert­lo­ser. Das zieht ihn nach unten. Das eng­li­sche Wort für Wert heißt “value”. Es kommt vom latei­ni­schen Wort “vale­re”, das stark sein und gesund sein bedeu­tet. Wer­te geben uns also inne­re Stär­ke. Sie machen unser Leben gesund. Wenn ich auf Wer­te baue, wird das, was ich mit mei­nem Leben auf­baue, eine soli­de Grund­la­ge haben. [3]

Tugen­den sind Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen für ein gelin­gen­des Leben. Sie befä­hi­gen uns, mit auf­rech­tem Gang durch Leben zu gehen. Die Tugen­den set­zen uns kei­nen Hei­li­gen­schein auf, doch sie stär­ken unser Rück­grat. In den letz­ten Jah­ren ist eine neu­es Inter­es­se an den Tugen­den erwacht. Wir brau­chen nur den Staub von ihnen weg­pu­sten, der sich auf die alten Tugen­den gelegt hat. Dann ent­decken wir, dass sie nichts von ihrem Wert ver­lo­ren haben. [4]

Hal­tun­gen möch­ten uns ein­la­den, auf eine gute Wei­se zu leben. Sie wur­den uns in der Ver­gan­gen­heit über­lie­fert, über die abend­län­di­sche Phi­lo­so­phie, die Bibel, die christ­li­chen Tra­di­tio­nen und die spi­ri­tu­el­len Autoren frü­he­rer Jahr­hun­der­te. Es sind Hal­tun­gen, die zwar nicht neu sind, die aber den Vor­zug haben, dass in frü­he­ren Zei­ten Men­schen sie schon kon­kret aus­pro­biert und gelebt haben. All die Hal­tun­gen wol­len uns ein­la­den, sel­ber die Hal­tun­gen zu suchen, die uns heu­te gut tun, die uns inmit­ten der Halt­lo­sig­keit und Unüber­sicht­lich­keit einen Halt ver­lei­hen und ein Ori­en­tie­rung geben. [5]

[1] Zit. https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend
[2] Zit. https://www.wertesysteme.de/werte-glossar/tugend/
[3] Zit. Pater Anselm Grün, Das Buch der Ant­wor­ten, Zu den gro­ßen Fra­gen des Lebens, Ver­lag Her­der GmbH, Frei­burg im Breis­gau 2010, Sei­te 189
[4] Zit. Pfr. Stef­fen Tie­mann, TUGENDEN — Kraft­quel­len für einen star­ken Cha­rak­ter, Brun­nen Ver­lag Gie­ssen 2016, Sei­te 10+11
[5] Zit. Pater Anselm Grün, Wie wir leben, wie wir leben könn­ten, Ver­lag Her­der GmbH, Frei­burg im Breis­gau 2016, Sei­te 6+7